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Veganes Stadionessen: Die besten pflanzlichen Alternativen in der Bundesliga

Veganes Essen im Stadion? Längst mehr als ein Randthema. Diese Bundesliga-Arenen bieten die besten pflanzlichen Alternativen — von veganer Currywurst bis zum Falafel-Wrap.

Wer vor fünf Jahren in einem Bundesliga-Stadion nach veganen Optionen gefragt hat, erntete häufig ratlose Blicke. Pommes ohne Mayonnaise — das war’s dann meistens. Heute sieht das anders aus. Die Bundesliga hat kapiert: Veganer und Vegetarier kaufen auch Tickets, und sie wollen mehr als ein trockenes Brötchen.

Ein Überblick über die besten Stadien, was es wirklich gibt — und wo noch Luft nach oben ist.

Warum veganes Stadionessen ein Thema ist

Es geht nicht um Weltanschauung oder Ideologie. Die Zahlen sprechen für sich: Laut Vebu (Verband für Ernährung und Diätetik) ernähren sich in Deutschland rund 8 Millionen Menschen vegetarisch, etwa 1,5 Millionen vegan. Das ist ein erheblicher Anteil der Stadionbesucher.

Hinzu kommen Fans, die aus gesundheitlichen Gründen auf Fleisch verzichten, oder schlicht keinen Hunger auf die zwölfte Bratwurst der Saison haben. Das Angebot muss sich dem anpassen — und in vielen Stadien tut es das bereits.

Platz 1: Millerntor-Stadion, Hamburg — der Vorreiter

Der FC St. Pauli am Millerntor ist seit Jahren Benchmark, wenn es um nachhaltiges Stadionessen geht. Nicht weil es marketingtechnisch gut klingt, sondern weil der Verein es ernst meint.

Rund ein Drittel des Sortiments an den Kiosken ist mittlerweile vegetarisch oder vegan. Konkret gibt es:

  • Vegane Currywurst aus Seitan — knusprig, mit einer ordentlichen Soße, nicht der halbgare Versuch anderer Stadien
  • Falafel-Pitabrot mit Zaziki (vegetarisch) oder Hummus (vegan)
  • Vegane Bratwurst vom Grill — schmeckt erstaunlich nah am Original
  • Veganer Schokokuchen am Dessert-Stand

Die Preise liegen etwa 10–20% über den Fleisch-Varianten, was angesichts der Rohstoffkosten nachvollziehbar ist. Wer zum ersten Mal am Millerntor ist und vegane Bratwurst vom Grill mit Senf isst, ist meistens überrascht, wie normal das ist.

Europa-Park Stadion Freiburg — Nachhaltigkeitspionier

Freiburg und Nachhaltigkeit — der Zusammenhang ist kein Zufall. Der SC Freiburg hat schon früh auf regionale Lieferketten und pflanzliche Optionen gesetzt. Im Europa-Park Stadion, dem seit 2021 genutzten Neubau, wurde das Konzept weiter ausgebaut.

Besonders stark: das Angebot an vegetarischen Wurst-Alternativen und Gemüse-Wraps mit saisonalen Zutaten. Kein aufgewärmtes TK-Produkt, sondern erkennbar frisch.

Wichtig für Besucher: Die veganen Stände sind in Sektor B und am Haupteingang konzentriert. Wer gezielt sucht, findet sie schnell. Die Ausschilderung ist deutlicher als in den meisten anderen Stadien.

Signal Iduna Park, Dortmund — Masse und Vielfalt

Beim größten Stadion Deutschlands war das vegane Angebot lange ein blinder Fleck. Inzwischen hat sich das merklich gebessert. Der Signal Iduna Park bietet mittlerweile an mehreren Kiosken pflanzliche Alternativen — schon allein wegen der schieren Besucherzahl von 81.365 ist das notwendig.

Was es gibt:

  • Vegane Currywurst (seit Saison 2023/24 dauerhaft im Sortiment)
  • Pommes mit veganer Mayo (auf Nachfrage an den meisten Ständen)
  • Vegane Bratwurst an ausgewählten Kiosken (nicht flächendeckend)

Der Haken: Nicht jeder Kiosk hat das gleiche Sortiment. Am einfachsten fährt man mit dem Blick auf die digitalen Anzeigen über den Ständen — dort steht mittlerweile oft explizit “vegan” dabei.

Allianz Arena München — zwischen Bayern-Tradition und Moderne

Die Allianz Arena ist kein veganes Vorzeigestadion. Bayern München, Lederhosen, Weißwurst — das Selbstbild ist ein anderes. Aber auch hier ist Bewegung drin.

Seit etwa zwei Jahren gibt es in der Arena vereinzelte Kioske mit veganen Würstchen und Schnitzeln (Soja-Basis). Die Qualität ist solide, auch wenn es sich deutlich nach Kompromiss anfühlt.

Interessanter sind die Brezel-Stände: Die Brezel selbst ist in aller Regel vegan. Dazu Senf statt Butter — das ist eine unkomplizierte Option, die viele Besucher übersehen. Und Brez’n im Stadion schmeckt einfach gut.

Was die Allianz Arena besser machen könnte: einheitliche Kennzeichnung. Aktuell muss man selbst fragen, was vegan ist. Ein klares Symbol an den Kiosken würde helfen.

RheinEnergieStadion Köln — wachsendes Angebot

Köln überrascht positiv. Das RheinEnergieStadion hat in den letzten zwei Spielzeiten sein pflanzliches Sortiment deutlich erweitert. Besonders erwähnenswert: der “Veggiestand” nahe Block 25 (Heimseite Nordsektor), der ausschließlich vegane und vegetarische Produkte anbietet.

Das Angebot umfasst:

  • Vegane Bratwurst mit Röstzwiebeln
  • Gemüseburger mit Vollkorn-Bun
  • Falafel-Box mit Dip

Die Preise sind fair: Eine vegane Bratwurst kostet 4,50 €, ein Gemüseburger 6,50 € — damit liegt das RheinEnergieStadion im Bundesliga-Mittelfeld.

Was die meisten Stadien immer noch falsch machen

Ehrliche Bestandsaufnahme: Das Grundproblem bleibt die Kennzeichnung. In vielen Arenen muss man raten, ob die Pommes in Rinderfett frittiert wurden, ob der Ketchup Honig enthält, oder ob die “vegetarische” Bratwurst doch Ei enthält.

Folgende Probleme sind bundesligaweit noch weit verbreitet:

  1. Keine klare vegan/vegetarisch-Kennzeichnung an den Kiosken
  2. Vegane Optionen nur an einzelnen Ständen, nicht flächendeckend
  3. Frittieröl für alle Produkte gemeinsam — auch für Fleisch- und Fischprodukte
  4. Fehlende Mitarbeiter-Information: Auf Nachfrage kommt oft nur Schulterzucken

Das beste Beispiel für gute Kennzeichnung ist derzeit das Millerntor — dort stehen die Zutaten gut sichtbar an den Kiosken.

Praktische Tipps für vegane Stadionbesucher

Vor dem Besuch:

  • Schaut auf der Vereins-Website nach dem Cateringanbieter (oft Aramark, Levy Restaurants oder Do&Co). Diese Firmen haben manchmal Allergen-/Veganismus-Info online.
  • Vereins-App checken: Manche Klubs listen das Stadion-Menü in der App auf.

Im Stadion:

  • Früh kommen. Die Schlangen beim einzigen veganen Kiosk werden lang — vor dem Anpfiff ist es angenehmer.
  • Fragen lohnt sich. “Ist das vegan?” ist eine völlig normale Frage, und das Kiosk-Personal ist meistens gut informiert — besonders in größeren Stadien.
  • Pommes sind fast überall eine sichere Bank (vegetarisch, häufig auch vegan — Frittieröl prüfen).

Die Notfall-Option: Brezel, Erdnüsse und Chips sind in nahezu jedem Stadion erhältlich und fast immer vegan. Kein gastronomisches Highlight, aber besser als hungrig zu bleiben.

Fazit: Auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel

Die Bundesliga-Stadien bewegen sich in die richtige Richtung. Der Druck aus der Fanbasis und der gesellschaftliche Wandel zeigen Wirkung. St. Paulis Millerntor bleibt das Maß der Dinge — andere Stadien holen auf, aber langsam.

Wer vegan im Stadion essen möchte, fährt am besten mit realistischen Erwartungen. In Freiburg und Hamburg ist veganes Essen inzwischen self-evident. In München oder Wolfsburg muss man noch suchen. Überall gilt: lieber früh da sein und gezielt die richtigen Stände ansteuern.

Die vollständigen Stadion-Guides mit allen Infos zu Gastronomie, Anreise und Sitzplan findet ihr hier:

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