Zwei Stadien, eine Stadt, zwei komplett verschiedene Welten
München ist eine der wenigen deutschen Städte, in der zwei grundlegend verschiedene Fußball-Kulturen direkt nebeneinander existieren. Auf der einen Seite die Allianz Arena im Norden — 75.000 Plätze, High-Tech, Champions-League-Bühne. Auf der anderen Seite das Grünwalder Stadion in Giesing — 15.000 Plätze, Stehplatz-Romantik, Dritte Liga. Zwei Stadien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir vergleichen sie.
Die Eckdaten im Überblick
- Kapazität: 75.024 Plätze
- Eröffnet: 2005
- Verein: FC Bayern München (Bundesliga)
- Lage: Fröttmaning, Münchner Norden
- Kapazität: 15.000 Plätze
- Erbaut: 1911, mehrfach umgebaut
- Verein: TSV 1860 München (3. Liga)
- Lage: Giesing, nahe Innenstadt
Atmosphäre: Gänsehaut vs. Gänsehaut
Hier wird’s spannend — denn beide Stadien erzeugen Atmosphäre, aber auf komplett unterschiedliche Art.
Die Allianz Arena lebt von der schieren Masse. Wenn 75.000 Menschen die Südkurve zum Beben bringen, vibriert das ganze Stadion. Die geschlossene Bauweise fängt den Sound ein, die leuchtende Außenhülle macht das Stadion schon von Weitem zum Erlebnis. Bei Champions-League-Nächten ist die Arena eine der besten Adressen Europas.
Das Grünwalder Stadion setzt auf Intimität. 15.000 Zuschauer klingt wenig — aber wer einmal auf der Stehtribüne in Giesing stand, weiß: Hier ist man dem Platz so nah wie kaum irgendwo in Deutschland. Die Westkurve der 1860-Fans erzeugt in diesem kompakten Stadion einen Lärmpegel, der viele größere Arenen alt aussehen lässt. Dazu kommt der Geruch von Bier und Bratwurst, der durch die offene Bauweise über die Ränge zieht — Stadionfeeling pur.
Fazit Atmosphäre: Die Allianz Arena gewinnt bei Großevents. Das Grünwalder bei roher, ungefilteter Stadionkultur.
Lage und Anfahrt: Zentrum gegen Stadtrand
Das Grünwalder Stadion hat einen klaren Vorteil: Lage, Lage, Lage. Mitten in Giesing, einem der lebendigsten Viertel Münchens, ist das Stadion zu Fuß von der U-Bahn Giesing erreichbar. Rund um das Stadion gibt es Dutzende Kneipen, Restaurants und Imbisse. Man kann den Stadionbesuch perfekt mit einem Abend im Viertel verbinden.
Die Allianz Arena liegt dagegen in Fröttmaning — gefühlt am Ende der Welt. Die U6 braucht vom Marienplatz gut 25 Minuten, und rund ums Stadion gibt es: nichts. Keine Kneipen, keine Restaurants, nur Parkplätze und die Esplanade. Wer mit dem Auto kommt, steht nach dem Spiel gerne mal eine Stunde im Stau.
Architektur: Raumschiff trifft Zeitreise
Die Allianz Arena (Architekten: Herzog & de Meuron) ist ein architektonisches Statement. Die Außenhülle aus 2.874 ETFE-Kissen kann in verschiedenen Farben leuchten — rot für Bayern, blau für 1860 (damals), weiß für die Nationalmannschaft. Von innen ist das Stadion eine perfekte Schüssel mit steilen Rängen und exzellenter Sicht von fast jedem Platz.
Das Grünwalder Stadion ist das Gegenteil von Hightech. Beton, Stahl, Geschichte. Die Tribünen sind gewachsen, nicht am Reißbrett entstanden. Die Haupttribüne stammt aus den 1920er Jahren, die Gegengeraden und Kurven wurden über die Jahrzehnte immer wieder umgebaut. Es ist kein schönes Stadion im klassischen Sinne — aber es hat Charakter. Jede Ecke erzählt eine Geschichte.
Geschichte: 115 Jahre gegen 20 Jahre
Hier schlägt das Grünwalder Stadion die Allianz Arena um Längen. Seit 1911 wird an der Grünwalder Straße Fußball gespielt. Der FC Bayern hat hier jahrzehntelang seine Heimspiele ausgetragen, 1860 sowieso. Legendäre Derbys, Aufstiege, Abstiege — die Mauern dieses Stadions haben alles gesehen.
Die Allianz Arena wurde 2005 eröffnet und hat seitdem natürlich eigene Geschichten geschrieben: Champions-League-Finals, WM-Spiele 2006, Meisterfeiern. Aber gegen über ein Jahrhundert Fußballgeschichte in Giesing kommt sie nicht an.
Auch der Olympiastadion spielt in Münchens Stadion-Geschichte eine Rolle — dort trugen Bayern und 1860 von 1972 bis 2005 ihre Heimspiele aus, bevor der Umzug in die Arena kam.
Kosten: Was kostet der Stadionbesuch?
Ein Besuch in der Allianz Arena ist kein Schnäppchen. Stehplätze gibt es nicht (bzw. nur auf der Südkurve mit eingeschränkter Sicht), Sitzplätze starten bei etwa 30-40€ für Kategorie 4. Bei Topspielen oder Champions League sind 80-150€ normal. Dazu kommen hohe Preise für Bier (ca. 5€/0,5l) und Essen.
Das Grünwalder Stadion ist deutlich günstiger. Stehplätze gibt es ab rund 13€, Sitzplätze ab etwa 20€. Auch Bier und Bratwurst sind merklich billiger als in der Arena. Für Familien und Gelegenheitsfans ein echtes Argument.
Für wen lohnt sich was?
Die Allianz Arena ist perfekt für:
- Fans, die Weltklasse-Fußball sehen wollen
- Internationale Gäste, die ein Stadion-Erlebnis der Extraklasse suchen
- Stadion-Touristen (die Arena-Tour ist eine der besten in Deutschland)
Das Grünwalder Stadion ist perfekt für:
- Fans, die authentische Fußballkultur suchen
- Auswärtsfahrer, die ein Dritte-Liga-Abenteuer wollen
- Münchner, die Fußball im Viertel statt am Stadtrand erleben möchten
- Alle, die Stehplatz-Atmosphäre lieben
Unser Tipp: Beides machen
Wer in München ist und Fußball liebt, sollte sich beide Stadien geben. Freitagabend ins Grünwalder zum Drittliga-Kracher, Samstag in die Arena zur Bundesliga — das ist Münchens Stadionkultur in ihrer ganzen Bandbreite. Zwei verschiedene Welten, beide auf ihre Art einzigartig.
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