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Ferenc Puskás: Wer war der Mann, nach dem das CL-Finalstadion 2026 benannt ist?

Sechs Tage vor dem Champions-League-Finale 2026 in Budapest: Die Biografie von Ferenc Puskás (1927–2006) — Kapitän der Goldenen Elf, drei Europapokal-Siege mit Real Madrid, 84 Tore in 85 Länderspielen und der Mann, dem die FIFA jährlich den Puskás Award für das schönste Tor des Jahres widmet.

Eckdaten Ferenc Puskás

  • Voller Name: Ferenc Puskás (Geburtsname: Ferenc Purczeld)
  • Geboren: 1. April 1927 in Budapest, Königreich Ungarn
  • Gestorben: 17. November 2006 in Budapest, Ungarn (79 Jahre)
  • Größe: 1,72 m · Position: Stürmer / Offensiver Mittelfeldspieler
  • Spitznamen: „Öcsi” (Brüderchen), „Der galoppierende Major”, „Pancho”, „Cañoncito Pum”
  • Vereine: Budapest Honvéd (1943–1956), Real Madrid (1958–1966)
  • Länderspiele: 85 Spiele / 84 Tore für Ungarn (1945–1956), 4 Spiele für Spanien (1961–1962)
  • Größte Titel: 3× Europapokal der Landesmeister (1959, 1960, 1966) · 5× spanischer Meister · 5× ungarischer Meister · Olympiagold 1952 · WM-Finalist 1954
  • Tor-Bilanz Liga & Pokal: 619 Tore in 618 Pflichtspielen (Ungarn + Spanien)
  • Ehrungen: IFFHS-Torjäger des 20. Jahrhunderts, FIFA 100, FIFA-Puskás-Preis (seit 2009)
  • Tage bis CL-Finale 2026: 6 · PSG vs. Arsenal, 30.05.2026, Puskás Aréna

Sechs Tage vor dem Champions-League-Finale 2026 spielen zwei der besten Mannschaften Europas in einer Arena, die nach einem Mann benannt ist, den jüngere Fans höchstens vom FIFA-Puskás-Preis kennen — der jährlichen Auszeichnung für das schönste Tor der Saison. Dabei war Ferenc Puskás zu Lebzeiten genau das, was Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo heute sind: der erste internationale Fußball-Superstar, dominanter Stürmer, Spielmacher mit Rückennummer 10, dreifacher Europapokalsieger. Gestern haben wir uns die Puskás Aréna im Detail angesehen — heute schauen wir auf den Mann, dessen Name dort in roten Lettern an der Fassade hängt.

1927 bis 1943: Vom Kispester Hinterhof zum Profi

Geboren wird Ferenc am 1. April 1927 in Budapest als Ferenc Purczeld — die Familie stammt aus einer ungarndeutschen, donauschwäbischen Linie. Erst 1937 ungarisiert der Vater den Familiennamen zu Puskás. Aufgewachsen ist Ferenc im damaligen Vorort Kispest in einem Haus mit 32 Erwachsenen und 132 Kindern. Sein Vater Ferenc Puskás Sr. spielte selbst beim Kispesti AC und trainierte den Verein später — der Sohn wuchs also buchstäblich am Spielfeldrand auf. Sein bester Freund aus dem Nachbarhaus: József Bozsik, später ein Eckpfeiler der ungarischen Nationalmannschaft.

Schon mit 12 Jahren unterschrieb Puskás bei Kispest — zuerst unter dem Pseudonym „Miklós Kovács”, um die Mindestaltersregel zu umgehen. Im November 1943, mit 16 Jahren, gab er sein Pflichtspiel-Debüt für die Erstmannschaft. Hier bekam er auch seinen Lebenslang-Spitznamen: Öcsi — auf Deutsch „Brüderchen” oder „kleiner Bruder”, weil er als Jugendlicher schon bei den Männern mitspielte.

1949: Aus Kispesti AC wird Budapest Honvéd — und Puskás wird Major

1949 wurde der Kispesti AC dem ungarischen Verteidigungsministerium unterstellt und in Budapest Honvéd umbenannt. Aus dem Vorstadtverein wurde der Armeeklub des kommunistischen Ungarn. Die Spieler bekamen militärische Dienstgrade — Puskás stieg bis zum Major (ungarisch: Őrnagy) auf. Der Spitzname „Der galoppierende Major” war geboren.

Als Armeeklub konnte Honvéd per Einberufung praktisch jeden Topspieler des Landes verpflichten. So kamen Zoltán Czibor und Sándor Kocsis zum Klub — die spätere Goldene-Elf-Achse spielte plötzlich beim gleichen Verein. Puskás-Statistik bei Honvéd:

  • 5 ungarische Meistertitel
  • Torschützenkönig der Liga 1947/48 (50 Tore), 1949/50 (31), 1950 (25), 1953 (27)
  • 1948: bester Torschütze ganz Europas
  • 19. Februar 1949: sieben Tore in einem einzigen Spiel gegen Győr (11:3)

1950–1954: Die Goldene Elf — und das verlorene WM-Finale von Bern

Schon am 20. August 1945, als 18-Jähriger, debütierte Puskás für Ungarn — und traf sofort beim 5:2 gegen Österreich. In den folgenden elf Jahren wurde er zum Anführer einer Mannschaft, die heute legendär ist: die „Aranycsapat” — die Goldene Elf. Vom 14. Mai 1950 bis zum WM-Finale am 4. Juli 1954 verlor diese Elf in 32 Pflichtspielen keine einzige Partie.

Die Highlights mit Puskás als Kapitän:

  • 2. August 1952 (Olympia Helsinki): Ungarn schlägt Jugoslawien 2:0 im Finale — Olympiagold. Puskás traf zum 1:0 in der 70. Minute.
  • 25. November 1953 (Wembley): das „Spiel des Jahrhunderts” — Ungarn schlägt England 6:3 vor 105.000 Zuschauern. Es war Englands erste Heimniederlage gegen ein Festland-Team. Puskás macht zwei Tore — darunter das berühmte „Zurückziehen-und-Versenken”, noch heute in jeder Fußball-Doku zu sehen.
  • 23. Mai 1954 (Népstadion Budapest): Rückspiel — Ungarn schlägt England 7:1 vor 92.000 Zuschauern. Bis heute die höchste Niederlage Englands.
  • 1953: Gewinn des Central European International Cup, Puskás Torschützenkönig mit 10 Toren.

Und dann das WM-Finale am 4. Juli 1954 im Wankdorfstadion Bern. Ungarn gegen Deutschland. Puskás spielt mit Haarriss im Knöchel — sich im Gruppenspiel gegen Deutschland (8:3-Sieg!) bei einem Foul von Werner Liebrich zugezogen. Trotzdem trifft er in der 6. Minute zum 1:0, Czibor legt zwei Minuten später nach. Am Ende steht es 2:3 — das Wunder von Bern. Puskás’ Ausgleich in der 88. Minute wird wegen Abseits aberkannt. Es ist die einzige große Enttäuschung einer ansonsten makellosen Ära.

1956: Die Flucht — und zwei Jahre ohne Fußball

Im Herbst 1956 trat Honvéd im Europapokal der Landesmeister an. Hinspiel in Bilbao: 2:3 verloren. Vor dem Rückspiel brach in Budapest der Ungarische Volksaufstand aus, der von sowjetischen Truppen niedergeschlagen wurde. Die Honvéd-Spieler waren auf Tournee im Ausland — und beschlossen, nicht zurückzukehren. Das Rückspiel gegen Bilbao fand im Brüsseler Heysel-Stadion statt (3:3, Aus für Honvéd). Puskás traf — sein erstes Europapokal-Tor überhaupt.

Was folgte: eine inoffizielle Tournee durch Italien, Portugal, Spanien und Brasilien zur Geldbeschaffung. FIFA und UEFA verhängten eine zweijährige Sperre über Puskás, weil er nicht nach Ungarn zurückkehrte. AC Milan, Juventus und sogar Manchester United (nach der Flugzeugkatastrophe von München 1958) zeigten Interesse — am Ende klappte der Transfer nirgendwo. Italienische Klubs hatten Sorgen wegen Alter (31) und Gewicht.

1958 bis 1966: Real Madrid — Geboren, um neben Di Stéfano zu spielen

Im Sommer 1958 unterschrieb Puskás bei Real Madrid — als 31-Jähriger. Was viele für das Ende einer Karriere hielten, war der Beginn der zweiten goldenen Hälfte. An der Seite von Alfredo Di Stéfano wurde Puskás zum perfekten Konterpart: hart und präzise mit dem linken Fuß, gnadenlos im Abschluss, mit einem Auge für Räume.

Was er in acht Jahren in Madrid gewann:

  • 5× spanischer Meister in Folge (1961–1965)
  • 3× Europapokal der Landesmeister (1959, 1960, 1966)
  • 4× Pichichi-Trophäe (Liga-Torschützenkönig Spaniens)
  • Torschützenkönig im Europapokal 1959/60: 12 Tore

Der absolute Höhepunkt: das Finale am 18. Mai 1960 im Hampden Park in Glasgow. Real Madrid schlägt Eintracht Frankfurt 7:3 vor 135.000 Zuschauern — bis heute Zuschauerrekord für ein Europapokalspiel. Viele Historiker halten diese Partie für eines der besten Spiele aller Zeiten. Puskás und Di Stéfano demontierten die deutsche Meisterelf — Real gewann zum fünften Mal in Folge den Henkelpott.

In den zwei Europapokal-Finals 1960 und 1962 erzielte Puskás zusammen sieben Tore — eine Quote, an die in der Geschichte nie ein Stürmer herankam. 1962 wechselte er zur spanischen Staatsbürgerschaft und bestritt vier Länderspiele für Spanien, darunter Auftritte bei der WM 1962 in Chile.

Nach 1966: Trainer-Weltenbummler — und Rückkehr nach Budapest

Mit 39 beendete Puskás seine Spielerkarriere und begann eine Trainer-Odyssee, die ihn von Spanien über Kanada, Chile, Saudi-Arabien, Griechenland und Australien führte. Sein größter Trainer-Erfolg: 1971 führte er Panathinaikos Athen ins Finale des Europapokals der Landesmeister — verloren 0:2 gegen Ajax Amsterdam in Wembley. Zudem zwei griechische Meistertitel mit Panathinaikos.

1981 kehrte Puskás erstmals nach 25 Jahren Exil nach Ungarn zurück — die politische Lage hatte sich gewandelt. 1993 übernahm er kurzzeitig das Amt des Nationaltrainers Ungarns. Eine Versöhnung mit der Heimat, die ihn jahrzehntelang als „Verräter” gebrandmarkt hatte.

2002: Das Népstadion bekommt seinen Namen

Im Februar 2002 wurde das Népstadion in Budapest — bis dahin offiziell „Stadion des Volkes” — in Puskás Ferenc Stadion umbenannt. Es war die offizielle Anerkennung eines Lebenswerks zu Lebzeiten. Puskás konnte die Umbenennung noch selbst miterleben. Das alte Népstadion wurde später (2016) abgerissen — auf dem gleichen Grundstück steht heute die neue Puskás Aréna, eröffnet 2019. Auch sie trägt seinen Namen.

2006 und das Vermächtnis

Ab dem Jahr 2000 litt Puskás unter Demenz und mehreren weiteren Erkrankungen. Er verbrachte seine letzten Jahre weitgehend im Krankenhaus. Am 17. November 2006 verstarb Ferenc Puskás in Budapest im Alter von 79 Jahren. Das Staatsbegräbnis in der St.-Stephans-Basilika und auf dem Heldenplatz hatte den Rang eines Staatsaktes.

Drei Jahre später, im Oktober 2009, kündigte die FIFA an, einen jährlichen Preis nach ihm zu benennen: den FIFA-Puskás-Preis für das schönste Tor des Jahres. Wer ihn gewinnt — Ronaldo (2009), Neymar, Salah, Lamine Yamal — bekommt mehr als eine Trophäe: Er steht in einer Linie mit dem Stürmer, dessen Tor von 1953 in Wembley auch sieben Jahrzehnte später noch nicht in den Schatten gestellt wurde.

Was bleibt vom „Galoppierenden Major”

Ferenc Puskás hinterließ eine Statistik, die heute fast unwirklich klingt:

  • 84 Tore in 85 Länderspielen für Ungarn — eine Quote von 0,99 pro Spiel
  • 619 Tore in 618 Liga- und Pokalspielen in Ungarn und Spanien
  • 3× Europapokal der Landesmeister — gewonnen in einer Ära, in der „nur” Landesmeister mitspielten
  • IFFHS-Auszeichnung: Bester Torjäger des gesamten 20. Jahrhunderts
  • FIFA 100: Aufgenommen von Pelé persönlich in die Liste der 125 größten lebenden Fußballer (2004)
  • Erster internationaler Fußball-Superstar — vor Pelé, vor Beckenbauer, vor Cruyff

Am 30. Mai 2026 werden 67.000 Zuschauer in einer Arena sitzen, die seinen Namen trägt. Die meisten werden Puskás nie spielen gesehen haben — er war Jahrzehnte vor ihrer Geburt schon Legende. Aber wenn an diesem Abend ein Spieler von PSG oder Arsenal mit links präzise in den Winkel schießt, ein Tor von der Sorte, das später um den FIFA-Puskás-Preis konkurrieren könnte, dann wird der Geist des „Galoppierenden Majors” in dieser Arena unterwegs sein.

Cliffhanger: Morgen

Morgen (Mo 25.05.) auf stadion.de: 5 Tage bis zum Finale — Welche deutschen oder Ex-Bundesliga-Spieler stehen in den Kadern von PSG und Arsenal? Wer hat die größte Chance auf den ersten Henkelpott eines Deutschen seit Manuel Neuer 2020?

Quellen

Stand: 24.05.2026 · Recherche: Wikipedia (Deutsch & Englisch).

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