Der erste Stadionbesuch mit der ganzen Familie ist etwas Besonderes — und mit dem richtigen Stadion wird er zum unvergesslichen Erlebnis. Nicht jede Arena ist gleich gut auf Familien eingestellt. Manche Vereine investieren massiv in Familienangebote, andere hinken hinterher. Hier sind die familienfreundlichsten Stadien Deutschlands.
Was macht ein Stadion familienfreundlich?
Bevor wir in die Einzelbewertungen einsteigen: Was zählt überhaupt? Für Familien mit Kindern sind folgende Punkte entscheidend:
- Familienblöcke mit ruhigerer Atmosphäre (weniger Pyro, weniger aggressive Stimmung)
- Ermäßigte Kindertickets oder Gratis-Eintritt für die Kleinsten
- Wickelräume und Kinderwagen-Stellplätze
- Kindgerechte Gastronomie (nicht nur Bier und Bratwurst)
- Spielbereiche oder Kinderbetreuung am Stadion
- Gute Sicht auch für kleine Zuschauer (Sitzschalen, Erhöhungen)
- Einfache Anreise und familienfreundliche Parkmöglichkeiten
1. Borussia-Park — Mönchengladbach
Der Borussia-Park ist ein Vorreiter in Sachen Familienfreundlichkeit. Der FohlenFamilienBlock bietet eine eigene Tribüne mit moderater Lautstärke, ideal für jüngere Kinder. Dazu gibt es einen Spielplatz direkt am Stadion und ein umfangreiches Kinderprogramm an Spieltagen.
Kinder unter 6 Jahren kommen in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos rein. Die Sichtlinien im Familienblock sind so gestaltet, dass auch kleinere Kinder das Spielfeld gut sehen können. Wickelräume sind vorhanden und gut ausgeschildert.
Familien-Highlight: Der FohlenShop hat eine eigene Kinderabteilung, und das Maskottchen Jünter ist an Spieltagen regelmäßig im Familienbereich unterwegs.
2. Volkswagen Arena — Wolfsburg
Die Volkswagen Arena gehört zu den modernsten Stadien der Liga — und das merkt man auch beim Familienangebot. Der Familienblock in den Blöcken 33 und 34 bietet ermäßigte Tickets, und die Autostadt direkt nebenan macht den Spieltag zum Ganztagesausflug.
Besonders praktisch: Die Arena ist barrierefrei und hat breite Gänge, sodass Kinderwagen kein Problem sind. Wickelräume gibt es auf mehreren Ebenen. Die Gastronomie bietet neben der klassischen Stadionwurst auch kindgerechte Alternativen.
3. MHPArena — Stuttgart
Die MHPArena in Stuttgart hat mit dem „Fritzle-Familienland” ein eigenes Konzept für Familien entwickelt. Im Familienblock gibt es moderatere Preise, und Kinder bis 6 Jahre sind frei. Das Stadion liegt direkt am Cannstatter Wasen — wer früher kommt, kann vorher den Spielplatz im nahen Schlossgarten nutzen.
Die MHPArena wurde für die WM 2006 modernisiert und bietet gute Infrastruktur: saubere Sanitäranlagen, ausreichend Verpflegungsstände mit kurzen Wegen und Wickelmöglichkeiten.
4. Allianz Arena — München
Die Allianz Arena beeindruckt schon von außen — und für Kinder ist die leuchtende Fassade ein echtes Erlebnis. Der FC Bayern bietet einen dedizierten Familienblock mit ermäßigten Preisen. Die FCB Erlebniswelt im Stadion ist an Spieltagen geöffnet und bietet interaktive Stationen für Kinder.
Praktisch: Die Anreise mit der U-Bahn (U6 Fröttmaning) ist unkompliziert, und der Weg vom Bahnhof zum Stadion ist kinderwagentauglich. Allerdings: Die Allianz Arena ist riesig, und die Wege im Stadion sind lang — mit kleinen Kindern sollte man genug Zeit für den Weg zum Platz einplanen.
Tipp: Die Arena-Tour außerhalb der Spieltage ist für Kinder ab 6 Jahren ein großartiges Erlebnis und deutlich entspannter als ein Spieltag.
5. Europa-Park Stadion — Freiburg
Das Europa-Park Stadion ist der Neubau des SC Freiburg und eines der modernsten Stadien Deutschlands. Familienfreundlichkeit wurde von Anfang an mitgeplant: breite Gänge, exzellente Sichtlinien, moderner Familienblock mit guter Infrastruktur.
Der SC Freiburg ist bekannt für seine bodenständige Fan-Kultur — das spiegelt sich auch in fairen Eintrittspreisen und einem ruhigeren Gesamterlebnis wider. Für Familien, die ein Stadion ohne übertriebenen Kommerz suchen, ist Freiburg die perfekte Wahl.
6. Prezero Arena — Sinsheim (Hoffenheim)
Die Prezero Arena der TSG Hoffenheim liegt zwar etwas abseits, punktet aber mit einem durchdachten Familienkonzept. Der „Hoffe-Kids-Club” bietet Kindern ein eigenes Programm, und die Atmosphäre im Familienblock ist betont ruhig und entspannt.
Die überschaubare Größe der Arena (30.150 Plätze) sorgt dafür, dass man sich nie verloren fühlt — ein Plus für den ersten Stadionbesuch mit Kindern. Parkplätze sind ausreichend vorhanden, und die Wege sind kurz.
Tipps für den ersten Stadionbesuch mit Kindern
Egal für welches Stadion ihr euch entscheidet — ein paar allgemeine Tipps:
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Gehörschutz ist Pflicht. Stadien werden laut — richtig laut. Für Kinder unter 10 Jahren ist ein Kapselgehörschutz absolut empfehlenswert. Ab 100 Dezibel wird es für Kinderohren gefährlich, und die werden in der Bundesliga regelmäßig erreicht.
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Kommt früh, geht früh. 90 Minuten vor Anpfiff da sein gibt euch Zeit, alles in Ruhe zu erkunden. Und: Fünf Minuten vor Abpfiff gehen vermeidet den großen Andrang.
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Familienblock buchen. Stehplatz mit Kindern ist keine gute Idee. Familienblöcke sind dafür gemacht — nutzt sie.
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Auswärtsspiele meiden. Als Gästefan mit Kindern unterwegs? Kann funktionieren, ist aber deutlich stressiger. Für den Anfang lieber ein Heimspiel wählen.
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Essen und Trinken mitbringen. Die meisten Stadien erlauben eigene Getränke (kein Glas!) und Snacks. Für Kinder oft angenehmer als die Stadion-Gastronomie.
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Wechselkleidung einpacken. Klingt banal, aber bei einem Spiel im Februar kann es nass und kalt werden. Lieber eine Schicht zu viel als eine zu wenig.
Stadien, die aufholen müssen
Nicht jedes Stadion ist gleich gut aufgestellt. Das Olympiastadion Berlin ist zwar beeindruckend, aber durch die Laufbahn weit vom Spielfeld entfernt — für Kinder kann das frustrierend sein. Auch ältere Stadien wie das Weserstadion in Bremen haben bei der Infrastruktur (Wickelräume, Aufzüge) Nachholbedarf.
Fazit
Der Trend ist klar: Neuere Stadien und Vereine mit professionellem Familienkonzept machen den Stadionbesuch mit Kindern zum echten Vergnügen. Borussia-Park, Volkswagen Arena und Europa-Park Stadion setzen Maßstäbe. Aber auch bei anderen Vereinen lohnt sich ein Blick auf die Familienangebote — fast jeder Bundesligist hat inzwischen einen eigenen Familienblock.
Der wichtigste Tipp bleibt: Vorbereitung ist alles. Wer den richtigen Block bucht, Gehörschutz mitbringt und genug Zeit einplant, sorgt dafür, dass der erste Stadionbesuch für die ganze Familie ein Highlight wird.